Chia: Eine kurze Kulturgeschichte

Chia-Pflanze und Frau im Florentinischen Codex (1575-1577) von Fr. Bernardino de Sahagun. Bibliothek: Medicea Laurentiana, Florenz.

Chia ist eine sehr alte Kulturpflanze. Es gibt Anzeichen, dass Chiasamen in Zentralmexiko schon 3.500 Jahre vor Christus als Nahrungsmittel gedient haben.

Schon in der Zeit von 1.500 bis 900 vor Christus war Chia eine wichtige Feldfrucht. So hat auch das Volk der Maya Chia gekannt und geschätzt.

Am meisten weiß man über die Verwendung von Chiasamen bei den Azteken.

Die Azteken waren eine Hochkultur in Zentralamerika, die zwischen dem 14. und dem frühen 16. Jahrhundert existierte. Die Bezeichnung “Chia” stammt aus der Nahuatl-Sprache der Azteken und bedeutet soviel wie ölig – was bei dem hohen Omega-3 bzw. Öl-Gehalt der Samen auch nicht weiter verwunderlich ist.

Die Azteken hatten vier Feldfrüchte, die für sie besonders wichtig waren: Mais, Bohnen, Chia und Amaranth, und in dieser Reihenfolge. Sie hatten sogar verschiedene Arten von Chia, die sie für ihre jeweils besonderen Eigenschaften schätzen.

Chia wurde entweder als ganzes Korn gegessen, zu einem Getränk verarbeitet oder zu einem Mehl gemahlen. Die Samen wurden jedoch auch für ihr Öl gepresst, in Medikamenten beigemischt, und als Grundmittel für Körper- und Gesichtsfarben verwendet.

Den Azteken wurden Chia-Samen als Tribut von anderen Völkern gereicht. Die Azteken selber haben die Samen ihren Göttern als Opfergabe angeboten. Im Codex Mendoza von den Spaniern wird berichtet, dass die Stadt Tenochtitlan um 1540 jährlich ein Minimum von 6.360 Tonnen Mais, 4.410 Tonnen Bohnen, 4.410 Tonnen Chia und 3.780 Tonnen Amaranth in Form von Tribut bekam. Die Stadt selbst hat nochmals ca. 3.000 Tonnen dieser vier Feldfrüchte angebaut.

Leider haben die Spanier bei der Eroberung Lateinamerikas zahlreiche Elemente der einheimischen Kulturen unterdrückt. Dazu gehörte auch die Verwendung von Chia, insbesondere weil Chia für die einheimische Bevölkerung immer auch mit ihrer Religion in Verbindung gebracht wurde.

Chia als Nahrungsmittel überlebte nur in kleineren Gruppen in Mexiko, Guatemala, Nicaragua, Arizona und Kalifornien weiter, wo die Samen meist als chia fresca zubereitet wurden, ein erfrischendes und nahrhaftes Getränk.

Nach ca. 500 Jahren wurde Chia von einem Professor an der University of Arizona, Dr. Wayne Coates, auf gewisse Weise als Lebensmittel für den Rest der Welt wieder entdeckt. Meines Erachtens maßgeblich für die heutige Beliebtheit von Chia-Samen ist jedoch das Buch “Born to Run” von Chrisopher McDougall.

Quellen

Eure Waldmännchen

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